Panik in Tübingen

Manchmal begegnen sich Menschen und Ideen, die scheinbar aus völlig unterschiedlichen Welten stammen – und gerade daraus entsteht etwas Einzigartiges. Udo Lindenberg und Hermann Hesse: getrennt durch Jahrzehnte, verbunden durch einen ähnlichen Geist aus Widerstand, Freiheit und Tiefe. Wenn Lindenberg über Hesse spricht, wirkt es, als beschreibe er einen alten Weggefährten – rau, ehrlich, voller Anerkennung und frei von jeder steifen Ehrfurcht. Keine Analyse, sondern Leidenschaft. Denn Hesse war mehr als ein Schriftsteller: ein unbequemer Geist, ein Suchender, ein Grenzensprenger. Genau das kennt auch Lindenberg – ein Musiker zwischen Rebellion und Poesie, der weiß, wie es ist, das Ich infrage zu stellen, so wie Hesses Figuren Siddhartha oder der Steppenwolf. Hesse zu lesen bedeutet, eine Reise nach innen anzutreten: mal leise, mal laut, mal wohltuend, mal aufwühlend – wie Lindenbergs Musik. Kein Wunder, dass sich die beiden als Seelenverwandte spiegeln. Beide träumen von einem anderen Leben, beide erzählen Geschichten, die nachhallen. Und vielleicht ist jetzt der richtige Moment, Hesse wieder zur Hand zu nehmen – mit einem Panik-Song im Ohr und einem Drink daneben. Manche Gedanken treffen uns eben genau dann, wenn wir sie brauchen.